Wanderung durch den Oberharz - Harzer Wandernadel - Durchs Eckertal zwischen Bad Harzburg und Ilsenburg

Bad Harzburg - Burgberg - Säperstelle - Kreuz des deutschen Ostens - Rabenklippe - Taubenklippe - Am Kruzifix - Scharfenstein - Skidenkmal - Eckertalsperre - Molkenhaus - Bad Harzburg Seilbahn Talstation

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Prolog

Meine dritte große Wanderung für die Harzer Wandernadel führt mich über neun Stempelstellen 31 km kreuz und quer durchs Eckertal östlich von Bad Harzburg.

Oberharzer Busreise

Am Sonntagmorgen liegt der Bahnhof Goslar noch ziemlich verschlafen da.

Die Wanderung beginnt mit einer langen Busfahrt. Von Hahnenklee gehts um halb neun nach Goslar. Dort verbringe ich die Wartezeit auf den Bus nach Bad Harzburg damit, den Bahnhof im Vormittagssonnenlicht zu fotografieren. Nach vielem Herumgekurve bin ich endlich gegen zehn Uhr in Bad Harzburg an der Seilbahn. Schlau wie ich bin nutze ich die Burgbergseilbahn, um ohne Anstrengung auf eine Höhe von etwa 470 Meter zu gelangen.

Säperstelle und Kreuz des Deutschen Ostens

Zwischen Kreuz des Deutschen Ostens und Rabenklippe bietet sich ein Blick ins nördliche Harzer Vorland.

Froh über den Sonnenschein und dass ich nun endlich laufen kann, marschiere ich zügig zur ersten Stempelstelle Säperstelle. Vom Stempelgummi fehlt leider die Hälfte. Nachdem ich diesen Zustand der Wandernadel auf den Anrufbeantworter gequatscht habe, gehts nun leicht ansteigend weiter zum Kreuz des Deutschen Ostens auf 550 Meter Höhe. Hier - noch in relativer Nähe zu bequemen Parkplätzen - herrscht durchaus reger Verkehr zu Fuß und auf zwei Rädern. Ein tolle Aussicht Richtung Bad Harzburg gibt es zu genießen. Dafür fehlt auch ein Teil des Stempelgummis. Ich versuche einen Wanderer zu belehren, dass er seinen (halben) Stempel soeben an die falsche Stelle ins Heft gedrückt hat, und es dauert einen Moment, bis ich kapiere, dass er ein altes Stempelheft hat, an dem die Stempelfelder anders positioniert sind. Ups. Panoramafotos und das Telefonat mit dem Wandernadelanrufbeantworter halten mich ziemlich auf. Dann endlich strebe ich weiter zur Rabenklippe.

Rabenklippe

Der klassische Blick Richtung Brocken unweit der Stempelstelle 170 der Harzer Wandernadel.

Am Stempelkasten laufe ich vorbei ohne diesen zu bemerken, suche ihn oben auf dem Aussichtsfelsen, bis mir der Wirt der Gaststätte freundlicherweise die Augen öffnet. Die Bäume mit ihren markanten Formen auf dem nicht minder markanten Felsen der Rabenklippe sind noch da, der Brocken gegenüber auch und über dem Eckertal kreist sogar ein Greifvogel. Möglicherweise derselbe Vogel, dem ich später noch einmal begegnen werde.

Abstieg ins Eckertal

Sommeridylle: Brücke über die Ecker bei der Ahlsburg. Die Ecker hat es nicht eilig und genießt lieber den Weg durch ihr selbst geschaffenes Tal.

Von den knapp 540 Meter Höhe beim Ausflugslokal steige ich nun hinab ins Eckertal, die Hausmannsklippen umgehend. Teils ist der Weg nicht mehr als ein zugewucherter Pfad, der vorherrschende Fichtenwald wird weiter unten vom Laubwald abgelöst.
Im Ecklertal angelangt wende ich mich - warum auch immer - zunächst nach rechts. Bald erreiche ich wie geplant eine Brücke über die Ecker. Und wie geplant zücke ich mein Stativ, schraube die Kamera darauf und begebe mich ins Unterholz zwischen Weg und Ecker. Statt der Langzeitbelichtungen der Ecker fotografiere ich zunächst den gerade entdeckten mit Steinen befestigten alten Graben, der seitlich der Ecker entlangführt. Anschließend begebe ich mich auf die andere Seite der Brücke, schraube noch den Graufilter vors Objektiv und widme mich den erwähnten Langzeitbelichtungen.

Im Eckertal

Auf diesem Bergsporn stand einst die Ahlsburg, deren Geschichte wie ihre Mauern fast vollständig verloren ging. Diese Brücke führt nicht nur über die Ecker, sondern auch über die ehemalige innerdeutsche Grenze.

Irgendwann bin ich damit fertig und passiere bei schönstem Sonnenschein die Brücke, um auf der Ostseite der Ecker auf ein kleines Schild "Ahlsburg" aufmerksam zu werden. Mein Kartenausdruck spricht an dieser Stelle ebenfalls von der Ahlsburg, und so klettere ich jene Granitklippen, auf denen einst die Ahlsburg stand, hinauf. Auf der anderen Seite sollte eigentlich ein Weg die Ecker abwärts entlangführen. Da ich diesen nicht ausmachen kann und keine Lust auf riskante Querfeldeinversuche habe, marschiere ich zurück. Die Felsen hinab, über die Brücke und nun den Pionierweg Richtung Pappenfabrik an der Ecker entlang. Die nächste Brücke reizt noch einmal zu Langzeitbelichtungen, bevor ich diese überquere.

Beschwerlicher Aufstieg

Einsam und schaurig schön bieten sich die Hänge östlich der Ecker dar. Der Borkenkäfer war sehr fleißig. Während der Borkenkäfer die Bestände dezimiert, wächst neuer Fichtenwald heran.

Von den aktuell ca. 300 Metern Höhe will ich durchs große Zwießeltal hinauf bis ca. 550 Meter aufsteigen. Der mit verwitternden Betonplatten befestigte Weg wirkt - inmitten schönster Natur - befremdlich und erscheint mir gleichzeitig als ein sehr präsentes Stück Vergangenheit. Hier war einst Sperrgebiet, Niemandsland. Das Wunder der friedlichen Beendigung der deutschen Teilung rückt in mein Bewusstsein und lässt mich mit einer gewissen faszinierten Ehrfurcht weiterlaufen. Da es die Steigung - zumindest für meine Verhältnisse - ganz schön in sich hat, konzentriere ich mich aufs Wesentliche, nämlich den Aufstieg.
Noch nicht sehr weit von der Ecker entfernt betrete ich plötzlich ein Schlachtfeld. Die in leichenblasser Totenstille erstarrten Opfer scheinen des Gemetzel, welches sich hier abgespielt haben muss, noch mahnend zu beschwören.

Das Gemetzel

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Borkenkäfer hier ganz Arbeit geleistet hat. Zwischen Zwießelkopf und Taubenklippe: Blick über das Eckertal nach Stapelburg.

Ganze Armeen wurden hier vernichtet, restlos ausgelöscht, ohne ein Entrinnen. Mit leichtem Schaudern marschiere ich den steilen Weg hinauf durch die heiße Luft, die heiße Sonne über mir, ohne Hoffnung auf Schatten. Der kleine Bach rechts neben mir plätschert leicht hämisch ins Tal, sich dabei ausreichend im Unterholz verbergend, damit ich ihn nicht bequem für eine kleine Erfrischung erreichen kann.
Immer neue Perspektiven des Grauens bieten sich mir, während ich weiter aufwärts marschiere. Schon recht weit oben dann ein Hoffnungsschimmer. Nachschub steht bereit, den Platz der vernichtend geschlagenen Armee nach und nach einzunehmen. Viel zu wenig zwar, aber ein ermutigender Anfang. Von den Siegern, die dieses Massaker verursacht haben, ist weit und breit nichts zu sehen. Und doch müssen sie hier noch lauern, unsichtbar und unhörbar.

Taubenklippe

Den Brocken fest im Blick gehts über die alten Kolonnenwege.

Oben auf dem Zwißelkopf laufe ich durch noch jungen Nadelwald, der einen faszinierenden Kontrast bildet. Doch der weitere Weg zur Taubenklippe wird wieder dominiert durch kahlen, abgestorbenen Geisterwald. Ich genieße beeindruckende Blicke hinüber zu den Hängen, die übersät sind mit den toten, bleichen Resten einst großer Fichtenbestände. Immerhin begegne ich dem Greifvogel von der Rabenklippe wieder, der leider in Eile ist und mir deshalb nicht ausreichend Zeit für ein gutes Foto schenken kann.
An der Taubenklippe treffe ich auf den vierten Stempelkasten meiner Tour. Den Weg auf die Klippe spare ich mir und marschiere direkt weiter. Das Bild wechselt, der Wald sieht - zumindest jenseits der Kahlflächen - wieder zunehmend nach Wald aus und der Brocken erscheint im Blickfeld.

Am Kruzifix

Der weitere Weg zum Stempelkasten "Am Kruzifix" bietet mir meist einen schönen Blick auf den Brocken. Am Himmel dominieren mittlerweile die Wolken, am Boden dafür verwitternde Betonplatten. Immerhin regt diese groteske Wegbefestigung die Fantasie an, aus der mich ein deutliches Pfeifen aufhorchen lässt. Tatsächlich, man kann die Brockenbahn bis hierher hören!
Über den eigenwillig befestigten Weg marschiere ich in leichtem Auf und Ab um 560 Meter herum Richtung Am Kruzifix. Die Betonplatten nerven ein wenig, da sie Aussparungen haben, in die man leicht mit dem Fuß rutschen kann. Der Brocken lässt sich links voraus immer wieder sehen und auch die Brockenbahn ist mit zunehmender Deutlichkeit zu hören.

Scharfenstein

Reste des alten Schafstalls, der einst an dieser Stelle stand.

Am Kruzifix wollte ich eigentlich eine kleine Pause machen. Da aber sowohl die Schutzhütte als auch die Bänke direkt am Kruzifix belegt sind, setze ich meinen Weg gleich nach der obligatorischen Stempelunterbrechung fort. In einem weiten Bogen wandere ich nun aufwärts, wobei der Blick zurück eine schöne Aussicht über besagten Bogen und bis zurück zum Platz "Am Kruzifix" liefert. Trotz leicht nervender Betonplatten erreiche ich nach ca. zweieinhalb Kilometern auf ca. 635 Meter Höhe die Rangerstation Scharfenstein. Hier ist endlich Platz für eine Pause.
Gesättigt und erholt gehts weiter zur Ecker. Von der Rangerstation muss ich ca. 500 Meter zurück laufen. An der Wegekreuzung wende ich mich nun nach links und stehe vor etwas, das schon von Weitem mein Interesse geweckt hat. Es sah aus wie die Reste einer schlichten kleinen Burg. Tatsächlich sind es die Mauerreste eines alten Schafstalls, die irgendwie aus der Zeit gefallen einfach so auf einer Wiese stehen.

Wiedersehen mit der Ecker

Die Ecker in Eile, bevor sie sich im Stausee entspannen kann. Wollsackverwitterter Brockengranit auf dem Weg zum Eckerstausee.

Nun folgt ein recht langatmiger, wenn auch netter Weg bis zur Ecker. Auf diesem Weg verliere ich etwas die Lust am Wandern, denn es tut sich einige Kilometer lang praktisch nichts. Und so latsche ich vor mich hin, hinter jeder Biegung, bei jedem lauten Bach die Ecker herbeisehnend. Irgendwann ist jeder Weg bewältigt, so dass endlich die Eckerquerung in Form von großen Granitbrocken vor mir auftaucht. Das bedeutet: Stativ aus dem Rucksack holen und einige Langzeitbelichtungen von der quirligen Ecker anfertigen. Bei meinem Gekraxel über die kleinen und großen Steine schaffe ich es tatsächlich, nicht auszurutschen und in der Ecker zu landen.

Abstieg zum Eckerstausee

Friedlich, ruhig, besinnlich liegt der Eckerstausee zwischen den Wäldern. Damals das Ende der (westlichen) Welt: die ehemalige deutsch-deutsche Grenze teilte auch die Staumauer der Eckertalsperre.

Von den ca. 660 Metern Höhe führt nun der wunderschöne Pionierweg entlang der Ecker hinab bis zum Stausee. Die entgegenkommenden Mountainbiker sehen das etwas anders und quälen sich über Wurzeln und Steine die Steigung hinauf. Leider versteckt sich die Ecker überwiegend in schier unzugänglichem Gelände, und da ich mein Schicksal nicht unnötig herausfordern möchte, sehe ich von weiteren Langzeitbelichtungen ab.
Auf ungefähr halbem Weg zum Stausee biege ich nach links ab und laufe ein kurzes Stück leicht bergauf zum Skidenkmal, um mir den siebten Stempel dieser Tour zu holen. Ich entschließe mich, wieder zum Pionierweg zurückzukehren, da mir dieser sehr gut gefällt. Bald darauf und einige Felsenfotos später gelange ich an den Rand des wirklich schönen Eckerstausees.

Die Eckertalsperre

Auf dem Weg zur Stempelstelle 1 der Harzer Wandernadel über die Staumauer der Eckertalsperre. Imposanter Anblick: die Staumauer der Eckertalsperre.

Der Weg führt nun weiter mal mehr mal weniger nah am Stausee entlang und bietet immer wieder schöne Blicke auf und über denselben. Nach ca. zwei Kilometern bin ich auf der Staumauer, die sich geschichtsträchtig und vielsagend über den stillen See erhebt. Am anderen Ende der Staumauer wartet der Stempelkasten. Leider fehlt Stempel Nummer eins das Gummi, so dass ich mit einer schnöden Nummer nebst Datum vorlieb nehmen muss.
Immerhin bieten sich noch einige schöne Fotogelegenheiten, bevor ich meinen Weg zum Molkenhaus fortsetze. Die Staumauer gerade hinter mir lassend treffe ich auf einen kleinen Wasserspender nebst Trog, und diese Erfrischung kommt mir sehr gelegen.

Zum Molkenhaus

Gegen das Vergessen: Denkmal für die im ersten Weltkrieg gefallenen braunschweigischen Staatsforstbeamten. Wie alt mag die Otto Reuss-Bank wohl sein?!

Nun heißt es wieder, sich zu orientieren und den richtigen Weg finden, und einmal mehr sind mir die Ausdrucke der OpenStreetMap Karte die allergrößte Hilfe. Am Hasselkopf führt ein Pfad entlang, der großartige Blicke auf die Staumauer bietet. Wenn auch das Wegenetz der OpenStreetMap Karte noch nicht vollständig ist, so ist diese Karte meiner Erfahrung nach schon jetzt jeder Wanderkarte überlegen. Den ansonsten ebenfalls hervorragenden topografischen Karten Niedersachsens mangelt es leider deutlich an Aktualität.
An der Muxklippe auf halbem Weg zum Molkenhaus begegne ich einem Kriegerdenkmal, das den im ersten Weltkrieg gefallenen braunschweigischen Staatsforstbeamten gewidmet ist. An diesem stimmungsvollen Ort hat man außerdem eine schöne Aussicht über das Eckertal auf die gegenüberliegenden Berge und findet die alte Otto Reuss-Bank, die dem Pächter des Molkenhauses von 1883 bis 1914 gewidmet ist.

Abstieg nach Bad Harzburg

Diese junge Fichte hat sich beim Molkenhaus einen besonderen Platz zum Wachsen ausgesucht. Sonnenuntergang am Bahnhof Goslar.

Am Sonntag gegen 18 Uhr ist nichts mehr los hier oben, und so führt der stille und einsame Weg zum Molkenhaus an einer stillen und einsamen Wiese vorbei, während das Wandern einen fast meditativen Charakter erhält. Am Molkenhaus erreiche ich den neunten und letzten Stempel dieser Tour. Ich mache ich eine letzte Rast, vernichte meine letzten Vorräte und genieße einfach die Ruhe sowie die Tatsache, dass ich bis Bad Harzburg nur noch bergab laufen muss, ein Höhenunterschied von ca. 225 Metern. Der Weg heißt nicht umsonst Langes Tal, er zieht sich ganz ordentlich in die Länge, was mich allerdings nicht stört, da er bequem zu gehen ist, ich mich quasi schon in der Ausruhphase meiner Wanderung befinde und ich außerdem viel Zeit habe, bis der nächste Bus nach Goslar abfährt.
Irgendwann bin ich dann tatsächlich an der Talstation der Seilbahn angelangt. Nun heißt es warten, dann heißt es auch in Goslar wieder warten, wobei mir der Sonnenuntergang die Wartezeit versüßt, bis ich dann endlich zurück in Hahnenklee bin.

, Juni 2012

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